
Was ist die Glasübergangstemperatur (Tg)?
Glasübergangstemperatur (Tg) bezeichnet den Punkt, an dem ein Polymer von einem harten, glasartigen in einen weichen, gummiartigen Zustand übergeht. Oberhalb der Tg werden Polymere flexibel und zeigen ein gewisses Fließverhalten. Unterhalb dieser Temperatur sind sie steifer und weniger verformbar.
Faktoren, die die Tg beeinflussen
Mehrere Faktoren können die Tg von Polymeren beeinflussen.
Molekulargewicht ist ein wichtiger Faktor: Höhere Molekulargewichte führen häufig zu höheren Tg-Werten. Zwischenmolekulare Kräfte spielen ebenfalls eine Rolle. Stärkere Kräfte erschweren die Bewegung der Polymerketten und erhöhen dadurch die Tg.
Weichmacher können zugesetzt werden, um die Tg zu senken. Dadurch können die Ketten leichter aneinander vorbeigleiten. Füllstoffe können die Tg dagegen erhöhen, indem sie die Beweglichkeit einschränken. Auch die thermische Vorgeschichte ist relevant. Wird ein Polymer wiederholt erhitzt und abgekühlt, kann sich die Tg verschieben.
Was ist die Schmelztemperatur (Tm)?
Beim Erhitzen eines Polymers gehen die kristallinen Bereiche vom festen in den flüssigen Zustand über. Dieser Schmelzvorgang findet bei der Schmelztemperatur (Tm) statt. Sie variiert je nach Material, da Kristallstruktur und Bindungsstärke im Polymer unterschiedlich sind. Bei kristallinen Polymeren sind diese Strukturen stärker geordnet, was zu einem klar definierten Schmelzpunkt führt.
Einfluss von Molekulargewicht und Struktur
Das Molekulargewicht eines Polymers beeinflusst seine Schmelztemperatur erheblich. Polymere mit hohem Molekulargewicht haben gewöhnlich eine höhere Tm. Der Grund ist, dass ein höheres Molekulargewicht die Kettenverhakung verstärkt und die Bewegung und das Schmelzen der Ketten erschwert.
Auch die Molekülstruktur spielt eine Rolle. Lineare Polymere haben aufgrund dicht gepackter Ketten möglicherweise eine klarere Tm als verzweigte Polymere. Kristallinität und die Kettenausrichtung beeinflussen ebenfalls Tm; eine bessere Ausrichtung führt dabei zu höheren Temperaturen.
Der Unterschied zwischen Tg und Tm
| Merkmal | Glasübergangstemperatur (Tg) | Schmelztemperatur (Tm) |
|---|---|---|
| Art der Veränderung | Übergang zweiter Ordnung ohne Phasenänderung; nur die physikalischen Eigenschaften ändern sich | Phasenübergang erster Ordnung vom festen in den flüssigen Zustand |
| Werkstoffart | Tritt nur bei amorphen und teilkristallinen Materialien auf | Tritt bei kristallinen Materialien auf |
| Zustandsänderung | Übergang vom glasartigen in den gummiartigen Zustand ohne Phasenänderung | Übergang von der festen in die flüssige Phase |
| Molekularstruktur | Keine Änderung der Molekülanordnung; das Material bleibt amorph | Vollständiger Zusammenbruch der Kristallstruktur |
| Umkehrbarkeit | Vollständig reversibler Prozess | Reversibler Phasenübergang |
| Temperaturbereich | Tritt im Allgemeinen bei niedrigeren Temperaturen als Tm auf | Typischerweise höher als Tg |
| Einflussfaktoren | – Chemische Struktur des Polymers – Molekulargewicht – Weichmachergehalt – Flexibilität |
– Druck – Chemische Bindungen – Form und Größe der Moleküle – Molekülpackung |
| Messverfahren | Wird typischerweise mittels dynamischer Differenzkalorimetrie gemessen | Wird bei einem festgelegten Druck gemessen (üblicherweise bei Standarddruck) |
| Bedeutung für die Industrie | Entscheidend für die Polymerverarbeitung und die Einsatzmöglichkeiten | Wichtig für die Materialauswahl und die Verarbeitung |
| Physikalischer Zustand | Das Material bleibt fest, wird jedoch flexibel bzw. gummiartig | Das Material geht vollständig in den flüssigen Zustand über |
| Energieänderung | Umfasst ein allmähliches Erweichen | Umfasst einen vollständigen Phasenübergang |
| Auswirkung auf die Anwendung | Bestimmt die Flexibilität des Materials und die Verarbeitungsbedingungen | Bestimmt die Wärmebeständigkeit des Materials und die Grenzen der Verarbeitung |
| Abhängigkeit von der Heizrate | Reagiert empfindlicher auf Änderungen der Heizrate | Reagiert weniger empfindlich auf Änderungen der Heizrate |
Wie Tg und Tm Polymerklassen definieren
Thermoplaste vs. Duroplaste: Tg und Tm helfen, diese Kategorien voneinander abzugrenzen. Thermoplaste weisen sowohl eine Tg als auch eine Tm auf und lassen sich beim Erwärmen mehrfach umformen. Duroplaste hingegen vernetzen sich bei hohen Temperaturen und behalten nach dem Abkühlen ihre Form. Sie weisen eine Tg, aber keine typische Tm auf, da sie nicht schmelzen.
Kristallinität und Eigenschaften: Polymere mit hoher Kristallinität weisen eine klar definierte, scharfe Tm und im Allgemeinen eine höhere mechanische Festigkeit auf. Bei einem höheren amorphen Anteil ist die Tg deutlicher ausgeprägt; zugleich sind diese Polymere flexibler, aber weniger formstabil.
Tg und Tm im Formenbau

Die Glasübergangstemperatur (Tg) und die Schmelztemperatur (Tm) sind wichtige Parameter beim Spritzguss und Druckguss, da sie die Verarbeitungsbedingungen und die Qualität des Endprodukts unmittelbar beeinflussen. Liegt die Verarbeitungstemperatur unter Tg, bleibt das Polymer steif und spröde. Dadurch ist es weniger flexibel und bricht während des Formprozesses leichter. Dies kann zu Fehlern wie Rissen oder einer unvollständigen Füllung des Formhohlraums führen und letztlich die Integrität der Formteile beeinträchtigen.
Tm legt dagegen die maximale Temperatur fest, die zum vollständigen Aufschmelzen des Polymers erforderlich ist, damit das Material ordnungsgemäß in den Formhohlraum fließen kann. Wird Tm überschritten, kann sich das Polymer zersetzen oder abbauen, was zu schlechten Materialeigenschaften und Fehlern im Endprodukt führt.
Liegt die Verarbeitungstemperatur nahe bei oder über Tg, können sich die Materialeigenschaften deutlich verändern. Das Polymer wird verformbarer und lässt sich besser verformen, ohne zu brechen. Dadurch verbessern sich die Fließeigenschaften und komplizierte Formgeometrien lassen sich leichter füllen. Höhere Temperaturen können jedoch auch neue Abbaumechanismen auslösen, etwa thermische Oxidation oder Kettenspaltung. Diese können die Gesamtqualität der Formteile, einschließlich ihrer mechanischen Festigkeit und thermischen Stabilität, beeinträchtigen.
Tg und Tm beeinflussen nicht nur die Verarbeitungstemperaturen, sondern auch die Abkühlung und die Zykluszeiten des Formprozesses. Nähert sich die Temperatur beim Abkühlen Tg, geht das Material vom gummiartigen in den glasartigen Zustand über. Dies kann Abkühlgeschwindigkeit und Zykluszeit beeinflussen. Bei zu schneller Abkühlung können innere Spannungen oder Verzug im Endprodukt entstehen. Eine längere Abkühlzeit kann dagegen bei teilkristallinen Polymeren eine bessere Kristallisation ermöglichen und so deren mechanische Eigenschaften verbessern.
Darüber hinaus wirken sich Tg und Tm während der Verarbeitung auf verschiedene Materialeigenschaften aus, darunter Wärmeleitfähigkeit, optische Klarheit und mechanische Leistungsfähigkeit. Polymere, die oberhalb von Tg verarbeitet werden, weisen beispielsweise typischerweise bessere thermische und mechanische Eigenschaften auf, da sie den während des Formens auftretenden Belastungen besser standhalten. Das ist besonders wichtig, wenn das Endprodukt mechanischen Belastungen oder Temperaturwechseln ausgesetzt ist.
Zu den wichtigen, von Tg und Tm beeinflussten Prozessparametern zählen Einspritzgeschwindigkeit, Formwandtemperatur, Nachdruck und die Faserorientierung in Verbundwerkstoffen. Diese Parameter müssen sorgfältig geregelt werden, damit das Material richtig fließt, die gewünschten physikalischen Eigenschaften erhalten bleiben und eine gleichbleibende Teilequalität erreicht wird. Eine optimale Einspritzgeschwindigkeit ist beispielsweise erforderlich, um die Form wirksam zu füllen und Fehler wie Kurzschüsse oder übermäßigen Grat zu vermeiden.
Auch Zuverlässigkeitsaspekte unterstreichen, wie wichtig eine präzise Temperaturregelung ist. Wird Tg während der Verarbeitung überschritten, können neue Ausfallmechanismen entstehen, etwa erhöhte Sprödigkeit oder geringere Schlagzähigkeit. Dadurch können sowohl die elektrischen als auch die mechanischen Eigenschaften der Formteile beeinträchtigt werden. Dies wirkt sich wiederum auf die langfristige Zuverlässigkeit und Leistung des Endprodukts aus, insbesondere bei anspruchsvollen Anwendungen.
Tg gängiger Materialien für den Kunststoffspritzguss
Die folgende Tabelle zeigt die Glasübergangstemperaturen (Tg) verschiedener Materialien für den Kunststoffspritzguss in Grad Celsius:
| Werkstoff | Tg (°C) |
|---|---|
| Polystyrol (Allzweckqualität, GPPS) | 100 |
| Hochdichtes Polyethylen (HDPE) | -120 |
| Flüssigkristallpolymer (LCP) | 120 |
| Flüssigsilikonkautschuk (LSR) | -125 |
| Polycarbonat (PC) | 145 |
| Polyetheretherketon (PEEK) | 140 |
| Polyetherimid (PEI) | 210 |
| Polymethylmethacrylat (PMMA) | 90 |
| Polypropylen (ataktisch) (PP) | -20 |
| Polyphenylensulfon (PPSU) | 90 |
| Polysulfon (PSU) | 190 |
| Syndiotaktisches Polystyrol (SPS) | 100 |
Tm gängiger Materialien für den Spritzguss
| Werkstoff | Tm (°C) |
|---|---|
| Polyethylen (PE) | 120-130 |
| Polypropylen (PP) | 160-170 |
| Polyvinylchlorid (PVC) | 75-105 |
| Polystyrol (PS) | 240 |
| Polycarbonat (PC) | 260 |
| Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) | 220-240 |
| Nylon 6 (Polyamid 6) | 220 |
| Nylon 66 (Polyamid 66) | 260 |
| Polyetheretherketon (PEEK) | 343 |
| Flüssigkristallpolymer (LCP) | 350-400 |
| Thermoplastisches Elastomer (TPE) | 230-260 |
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