
Für die Auswahl des richtigen Materials beim Spritzgießen ist es entscheidend, die Unterschiede zwischen Homopolymeren und Copolymeren zu kennen. Dieser Artikel erläutert Eigenschaften, Merkmale und Anwendungen beider Polymerklassen und zeigt, wie sie Materialauswahl und Leistung beeinflussen.
Was ist ein Homopolymer?
Ein Homopolymer ist ein Polymer, dessen Kettenstruktur aus nur einer sich wiederholenden Monomereinheit besteht. Anders gesagt: Es setzt sich aus identischen Monomermolekülen zusammen, die kovalent miteinander verbunden sind und eine lange Polymerkette bilden.
- Ein Homopolymer enthält nur eine Monomerart: A-A-A-A-A-A
Welche Arten von Homopolymeren gibt es?
Zu den wichtigsten Homopolymerbeispielen gehören:
- Polyvinylchlorid (PVC) – hergestellt aus sich wiederholenden Vinylchlorideinheiten
- Polyethylen (PE) – hergestellt aus sich wiederholenden Ethyleneinheiten
- Polyethylen hoher Dichte (HDPE) – eine Polyethylenart mit höherer Dichte und Kristallinität
- Polypropylen (PP) – hergestellt aus sich wiederholenden Propyleneinheiten
- Polycarbonat – hergestellt aus sich wiederholenden Einheiten aus Bisphenol A und Phosgen
- Polyester – hergestellt aus sich wiederholenden Einheiten eines Estermonomers
- Nylon 6 – hergestellt aus sich wiederholenden Caprolactameinheiten
- Nylon 11 – hergestellt aus sich wiederholenden Einheiten der 11-Aminoundecansäure
- Polytetrafluorethylen (PTFE) – hergestellt aus sich wiederholenden Tetrafluorethyleneinheiten
- Polystyrol – hergestellt aus sich wiederholenden Styroleinheiten
- Polyacrylnitril – hergestellt aus sich wiederholenden Acrylnitrileinheiten
- Nylon 6,6 – hergestellt aus sich wiederholenden Einheiten, die durch Kondensation von Hexamethylendiamin und Adipinsäure entstehen
Was sind Copolymere?

Ein Copolymer ist eine Polymerart, die aus mehr als einer Monomerspezies hervorgeht. Anders gesagt: Copolymere entstehen durch Copolymerisation – die gemeinsame Polymerisation von zwei oder mehr verschiedenen Monomerarten in einer einzelnen Polymerkette.
- Ein Copolymer besteht aus zwei oder mehr miteinander verbundenen Monomeren: A-B-A-B-A-B
Welche Arten von Copolymeren gibt es?
Zu den wichtigsten Copolymerbeispielen gehören:
- Styrol-Butadien-Kautschuk (SBR) – ein statistisches Copolymer aus Styrol- und Butadienmonomeren
- Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) – ein Terpolymer aus Acrylnitril-, Butadien- und Styrolmonomeren
- Ethylen-Vinylacetat (EVA) – ein statistisches Copolymer aus Ethylen und Vinylacetat
- Polyethylen-Vinylacetat (PEVA) – ein Copolymer aus Ethylen und Vinylacetat
- Nitrilkautschuk – ein statistisches Copolymer aus Acrylnitril und Butadien, das für Einweghandschuhe und Dichtungen verwendet wird
- Styrol-Acrylnitril-Copolymer (SAN) – ein alternierendes Copolymer aus Styrol und Acrylnitril
- Nylon 6,6 – ein alternierendes Copolymer aus Hexamethylendiamin und Adipinsäure
- Poly(milch-co-glykolsäure) (PLGA) – ein Copolymer aus Milch- und Glykolsäure
- Schlagzähes Polystyrol (HIPS) – ein Pfropfcopolymer aus Polystyrol und Polybutadien
- Styrol-Isopren-Styrol (SIS) – ein Blockcopolymer
Was ist der Unterschied zwischen Homopolymer und Copolymer?

Der wichtigste Unterschied besteht darin, dass ein Homopolymer nur eine Monomerart enthält, die sich in einer einfachen Struktur wiederholt. Ein Copolymer enthält dagegen zwei oder mehr verschiedene Monomere, wodurch komplexere Strukturen und kombinierte Eigenschaften entstehen. Welche Variante gewählt wird, hängt von den jeweiligen Anwendungsanforderungen ab.
Homopolymere weisen im Allgemeinen eine höhere Kristallinität auf und haben dadurch bessere kurzfristige mechanische Eigenschaften, darunter Steifigkeit, Zugfestigkeit, Schlagzähigkeit und anfängliche Kriechbeständigkeit.
Copolymere weisen dagegen eine höhere Oxidationsbeständigkeit und eine bessere Langzeit-Kriechbeständigkeit sowie Kriechbruchbeständigkeit auf.
Copolymere mit geringerer Kristallinität bieten Vorteile bei Maßhaltigkeit, niedrigerer Reibung und geringerem Verschleiß.
Homopolymere nehmen zwar weniger Feuchtigkeit auf, Copolymere sind jedoch widerstandsfähiger gegen Hydrolyse in heißem Wasser und gegen alkalische Stoffe.
Homopolymere haben aufgrund ihrer höheren Kristallinität eine höhere Wärmeformbeständigkeit. Copolymere bieten dank ihrer besseren Langzeitstabilität hingegen höhere Dauergebrauchstemperaturen.
Hier die Übersicht:
| Eigenschaften | Copolymer | Homopolymer |
|---|---|---|
| Kristallinität | ↓ | ↑ |
| Steifigkeit | ↓ | ↑ |
| Zugfestigkeit | ↓ | ↑ |
| Schlagfestigkeit | Höher, insbesondere bei niedrigen Temperaturen | ↓ |
| Kriechbeständigkeit | Bessere Langzeitbeständigkeit | Bessere Kurzzeitleistung |
| Ermüdungsfestigkeit | ↓ | ↑ |
| Maßhaltigkeit | ↑ | ↓ |
| Chemikalienbeständigkeit | Besser, insbesondere gegenüber Säuren und Laugen | ↓ |
| Oxidationsbeständigkeit | ↑ | ↓ |
| Wasserbeständigkeit | Besser in heißem Wasser | Geringere Feuchtigkeitsaufnahme, aber weniger hydrolysebeständig |
| Temperaturbeständigkeit | Höhere Dauergebrauchstemperatur dank besserer Langzeitstabilität | Höhere Wärmeformbeständigkeit, aber niedrigere Dauergebrauchstemperatur |
| Verarbeitung | Niedrigere Verarbeitungstemperatur und breiteres Verarbeitungsfenster aufgrund der geringeren Kristallinität | Engeres Verarbeitungsfenster und höhere Verarbeitungstemperatur aufgrund der höheren Kristallinität |
| Glasfaserverstärkung | Mit Glasfasern bessere mechanische Eigenschaften aufgrund der stärkeren Kopplung | Mit Glasfasern schwächere mechanische Eigenschaften als bei Copolymeren |
Anwendungen von Homopolymeren und Copolymeren
Wenn Sie die Anwendungen von Homopolymeren und Copolymeren kennen, können Sie leichter entscheiden, welches Material sich für einen bestimmten Einsatz eignet.
| Anwendung | Homopolymere | Copolymere |
|---|---|---|
| Verpackungen | Kunststoffbehälter, Beutel und Folien für Lebensmittel und Waren, etwa aus Polyethylen oder Polypropylen | Ethylen-Vinylalkohol (EVOH) als Barriereschicht in Lebensmittelverpackungen; Ethylen-Vinylacetat (EVA) für Kleb- und Dichtstoffe |
| Medizintechnik und Gesundheitswesen | Medizinprodukte, Spritzen, chirurgische Instrumente und medizinische Einwegartikel, etwa aus Polypropylen oder PVC | Biokompatible Copolymere wie PLGA für medizinische Implantate, Arzneimittelabgabesysteme und Tissue Engineering; Blockcopolymere für Wundauflagen und Medizinprodukte |
| Automobilindustrie | Fahrzeuginnenräume, Kraftstofftanks, Batteriegehäuse, Stoßfänger, Innenverkleidungen und Instrumententafeln, beispielsweise aus Polypropylen | Ethylen-Copolymere für langlebige, flexible Dichtungen, Schläuche und Innenverkleidungen; Blockcopolymere wie SBS für Reifen |
| Textilien | Fasern und Stoffe für Teppiche, Polster, Bekleidung, Seile und Schnüre, etwa aus Polyester oder Polyamid | Elastan und Nylon 6,6 für Feuchtigkeitstransport und Flammwidrigkeit; Acrylcopolymere in Kosmetik- und Körperpflegeprodukten |
| Elektrische Komponenten | Kabelisolierungen, Steckverbinder und Kondensatoren, etwa aus Polyethylen oder PTFE | – |
| Bauwesen | Rohre, Formstücke, Dämmstoffe und Fassadenverkleidungen, zum Beispiel aus PVC | Schmelzklebstoffe auf Basis von Ethylen-Copolymeren für Bau- und Montageklebstoffe |
| Konsumgüter | Spielzeug, Sportgeräte, Möbel, Haushaltsgeräte, Gepäck und Haushaltswaren aus verschiedenen Homopolymeren | Blockcopolymere für Schuhe, Spielzeug und weitere Konsumgüter |
| Landwirtschaft | Bewässerungsrohre, Silageballenfolien, Produkte zur Speicherung der Bodenfeuchtigkeit und Gewächshausfolien, etwa aus Polyethylen | – |
| Industrie | Platten für Säure- und Chemikalientanks, Rohre und Mehrwegtransportverpackungen aus verschiedenen Homopolymeren | Membranen zur Gas- und Flüssigkeitstrennung; Emulgatoren und Dispergiermittel |
| Hochleistungswerkstoffe | – | Blockcopolymere in Verbund- und Hybridwerkstoffen sowie adaptiven Materialien; selbstorganisierte Nanostrukturen für verschiedene Anwendungen |






